Loket
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© Ladislav Renner

Loket Der Schlüssel zum böhmischen Königreich

Die Geschichte Böhmens ist untrennbar mit der Geschichte Deutschlands, bzw. des mächtigen Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, verbunden. Die gemeinsame Grenze weist zahlreiche geschichtsträchtige Orte auf – Orte der Auseinandersetzung aber auch der Aussöhnung beider Völker.

Einer solcher Orte ist die Burg Loket, die schon seit Urzeiten als der Schlüssel zum Königreich Böhmen gilt. Eine Legende besagt nämlich, dass demjenigen, der Burg Loket erobert, gleichzeitig das gesamte böhmische Königreich in die Hände fallen wird. Die massive Burg war Teil der mittelalterlichen Verteidigungslinie und das Tor zum Königreich Böhmen. Der böhmische König Wenzel I. ließ diese uneinnehmbare Festung im 13. Jahrhundert auf einem Felsvorsprung, der von drei Seiten durch das Eger-Flussbett geschützt ist, errichten. Bereits während der Hussitenkriege konnten sich die damaligen Burgbewohner von der Widerstandskraft der Burg überzeugen, denn sie hielt sogar einer dreifachen Belagerung stand. Es mutet daher wie eine Ironie des Schicksals an, dass diese Burg, die in ihrer langen Geschichte sämtliche Belagerungen und Angriffe unbeschadet überstand, nun zu den wenigen Burgen des Landes gehört, die ihre Tore ganzjährig für Besucher geöffnet haben.

Aber Burg Loket hat auch eine dunkle Geschichte, die wegen der unbezwingbaren Stadtmauern und ihrer versteckten Lage inmitten von tiefen Wäldern ihren Lauf nehmen konnte. Hier wurde nämlich der spätere römisch-deutsche Kaiser Karl IV. (+1378) als Kind jahrelang gefangen gehalten. Karl IV. hegte jedoch trotz dieser Erfahrung keinen Groll gegen den Ort und kam später gerne hierher zurück um sich auf der Burg zu erholen oder von hier zu Jagdausflügen aufzubrechen. Bei einer seiner Wildjagden entdeckte er die Heilwirkung der Teplá-Quelle und gründete an dieser Stelle die weltberühmte Stadt Karlsbad (Karlovy Vary).

Goethes persönliches Waterloo

Die romantische Atmosphäre der mittelalterlichen Stadt, die herrliche unberührte Natur und der bezaubernde Fluss Eger beeindruckten nicht nur die böhmischen Herrscher, sondern auch Romantiker, Verliebte, Dichter und Weltenbummler. Einer, der dem Charme des Städtchens besonders erlag, war Johann Wolfgang von Goethe. Wie ein tapferer Ritter kämpfte der betagte Goethe unermüdlich um das Herz seiner Angebeteten, der Baronin Ulrike von Levetzow, mit welcher er sogar am 28. August 1823 im Hotel Bílý kůň seinen 74. Geburtstag feierte.  Aber ebenso wenig, wie es die Angreifer vermochten, Burg Loket einzunehmen, schaffte es der berühmte Dichter, das Herz der jungen Baronin zu erobern. Seine Enttäuschung über die unglückliche Liebe brachte Goethe in seinem Liebesgedicht Marienbader Elegie zum Ausdruck.

Die Schönheit von Loket ist unbeschreiblich. Die Stadt liegt über alle Beschreibung schön und lässt sich als ein Kunstwerk von allen Seiten betrachten. Johann Wolfgang von Goethe

Eine weitere berühmte Persönlichkeit, die das Schicksal in die romantischen Straßen des Städtchens Loket führte, war niemand anderes als der Agent seiner Majestät höchst-persönlich. Bond. James Bond. Im Jahr 2006 wurde nämlich der Film Casino Royal in Loket gedreht. Loket ist in dem Film ein montenegrinischer Ferienort. Dem aufmerksamen Zuschauer entgeht mit Sicherheit nicht das Schild, auf dem der Name des für Goethe schicksalhaften Hotels zu lesen ist.