Prag
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© Hana Smejkalová

Prag Die Stars des Musikhimmels

„Meine Prager verstehen mich“ oder „Prag ist mein Orchester“. Mit diesen Worten beschreibt Wolfgang Amadeus Mozart die tschechische Hauptstadt, in der er  einige Zeit seines Lebens verweilte.  Er hat dies sicherlich nicht übertrieben gemeint. Die Tschechen waren immer große Musikliebhaber und Prag empfing Musiker aus aller Welt stets mit offenen Armen.

Mozart erlebte in Prag während seiner künstlerisch aktivsten Zeit Erfolge, von denen er in Wien nur träumen konnte. Seine erste Reise nach Prag unternahm er nachdem er davon hörte, welche positiven Reaktionen die Aufführung von Figaros Hochzeit im Januar 1787 hatte. Die Oper wurde nämlich aufgrund von Intrigen vonseiten Mozarts Feinden eher negativ aufgenommen.

Gestern Abend hat uns der große und allseits beliebte Komponist Mozart aus Wien mit seinem Besuch erfreut. Es gibt keine Zweifel daran, dass Herr Bondini ihm zu Ehren seine Stücke spielen lässt. Er wird auch Figaros Hochzeit nicht auslassen und sicherlich auch einige neue Werke vorspielen. Die Prager sind bekannt für ihren guten Geschmack, deshalb kommen sicherlich viele Besucher, um sich seine Werke anzuhören. Wir würden uns selbstverständlich auch wünschen Herrn Mozart persönlich zu hören. Prager Oberpostamtszeitung, 13.1.1787

Am 17 Januar dirigierte Mozart selbst eine Aufführung von Figaros Hochzeit im Nostitz-Theater (das heutige Ständetheater). Um sich für die Unterstützung der Prager zu bedanken spielte er zum ersten Mal seine Symphonie in D dur im Theater der Musikakademie. Seit dem ist diese als Prager Symphonie bekannt. Er trat auch auf zwei Klavierrezitalen auf und improvisierte auf mehreren Veranstaltungen, zu denen er eingeladen wurde. Ende Februar verließ Mozart Prag, allerdings mit dem Gedanken für Prag eine Oper zu komponieren, mit der die neue Saison des Nostitztheaters eröffnet werden sollte.

Im August des gleichen Jahres kam er zurück nach Prag und hatte eine noch nicht vollständige Partitur seiner versprochenen Oper mit in der Tasche: Don Giovanni. Dieses Mal sollte er die Oper selbst mit den Solisten und dem Orchester üben. Dass sein Interesse an einer perfekten Aufführung sehr groß war, ist auch dadurch sichtbar geworden, dass Mozart während den Proben die ganze Oper noch korrigiert und ergänzt hat. Die Weltpremiere von Don Giovanni fand am 29. Oktober statt und war ein großer Erfolg. Bis zur Abfahrt Mozarts im November wurde das Stück mehrmals gespielt und der Erfolg ließ auch später nicht nach. Mozart erinnerte sich gerne an diese Erfahrung und beschreibt sie mit folgenden Worten: „Ich habe es nicht bereut so viel Arbeit und Vergnügen reinzustecken, damit ich für Prag etwas einzigartiges schreiben kann.“

Am Montag den 29. Oktober wurde von der italienischen Operngesellschaft die lang ersehnte Oper von Mozart gespielt: Don Giovanni oder der bestrafte Wüstling. Experten und Künstler behaupten, dass seines gleichen noch nicht in Prag gespielt wurde. Mozart dirigierte selbst und wurde mit einem großen Applaus in Empfang genommen. Auch nach der Aufführung hörte der Jubel nicht auf. Eine Opernaufführung ist nicht einfach und deshalb wurde von allen bewundert, dass trotz der wenigen Proben die Aufführung ohne Probleme verlief. Sowohl das Theater als auch das Orchester beteiligten sich mit aller Kraft an der Aufführung, damit Mozarts Oper ein Erfolg sein wird. Prager Oberpostamtszeitung. 3.11.1787

Seine Freizeit in Prag verbrachte Mozart mit seinen tschechischen Freunden in der Sommerresidenz der Familie Duškový in der Bertramka. Dort konnte Mozart auch in Ruhe arbeiten.

Während seines letzten Pragbesuchs war Mozart bereits schwer krank und erschöpft. Drei Monate vor seinem Tod führte er die Oper „La clemenza di Tito“ auf. Dieses Werk komponierte er bereits nur aus finanziellen Gründen und dessen Premiere im Nostitztheater war eine Niederlage für den kranken Mozart. Allerdings traf es ihn nicht allzu sehr, da er bereits fast mit seinem Requiem fertig war. In die Stadt, in der er seinen größten Erfolg genießen konnte, kehrte er nicht mehr zurück.

Mozart, Mahler, Wagner, Liszt, Tschaikowski

Ihren Erfolg konnten auch viele andere Komponisten und Musiker in Prag genießen. Joseph Haydn oder Carl Maria von Weber, der über Jahre hinweg im Prager Ständetheater als Dirigent tätig gewesen ist. Ende des 18. Jahrhunderts war auch Beethoven zweimal hier und dirigierte hier seine Stücke. Einen großen Eindruck hinterließ auch der Besuch des großen russischen Romantikers Petr Ilitsch Tschaikowski.  Auch er konnte schon zu Lebzeiten erleben, wie beliebt er bei den Pragern war. In Prag dirigierte er sein Stück Eugen Onegin. Tschaikowski beschrieb die Böhmen sogar als musischste Nation der Welt und Prag beschrieb er als einen Ort, an dem er „das größte Glück der Welt“ erleben konnte.  Lustige Geschichten werden heute über Gustav Mahler berichtet.

Auch Richard Wagner liebte Prag. Er besuchte die Stadt 1826  zum ersten Mal als seine beiden Schwestern Rosalie und Klara ein Engagement am Theater hatten. Ungefähr vierzig Jahre später dirigierte er auf dem Žofín den Ring der Nibelungen. Das Ungewöhnliche daran war, dass er mit dem Rücken zum Publikum spielte. Im gleichen Saal stellten ihre Werke auch die Komponisten Franz Liszt, Hector Berlioz und P. I. Tschaikowski vor.